Alexander Ross

 

Das Atelier des New Yorker Künstlers Alexander Ross lässt sich am besten als ein Labor beschreiben, in dem in kontrollierten Experimenten die wissenschaftliche Welt auf die künstlerische prallt. Die Versuchsanordnung ist simpel: Am Anfang steht immer ein kleines Modell aus farbiger Knetmasse – inspiriert von oft mikroskopisch kleinen Pflanzenteilen oder Gesteinsproben. Fotografien dieser Modelle bearbeitet der Künstler mit Photoshop, bis sich die manipulierten und digitalisierten Mikrokosmen als Vorlage für seine Gemälde eignen.

So erschafft Ross wie ein mikrobiologischer Zauberlehrling (Bild-)Welten, die wissenschaftliche Genauigkeit vorgeben, aber ganz und gar seiner Vorstellungskraft entspringen. Ihre suggestive Kraft basiert auf der Spannung zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, Natürlichkeit und Künstlichkeit, Wissenschaftlichkeit und Emotionalität. Ihre eigenartige Ästhetik (um nicht zu sagen: Schönheit) schöpfen die Bilder aus Ross’ schamloser Freude daran, die Farben ertastbar auf die Leinwand zu malen, spachteln, kleben und zu kratzen. Dabei verwendet er eine überschaubare Palette von zumeist gedämpften Farben, allen voran Grün. Die taktile Qualität der Bildoberfläche und die feine Abstufung von Hell zu Dunkel erzeugen eine erstaunliche Plastizität. Unter diesen sauber parzellierten Farbflächen, die mitunter an „Malen nach Zahlen“ erinnern, scheint sich ein geheimer organischer Algorithmus zu verbergen.

Alexander Ross wurde 1960 in Colorado geboren und schloss 1983 seine Ausbildung am Massachusetts College of Art and Design in Boston ab. Seit Mitte der neunziger Jahre ist er regelmäßig in Museums- und Galerienausstellungen zu sehen. Die Gruppenausstellung Remote Viewing im Whitney Museum of American Art in New York 2005 brachte ihm internationale Anerkennung. Im selben Jahr widmete ihm das Contemporary Art Museum in St. Louis als erstes Museum eine große Übersichtsausstellung. Er ist in zahlreichen Museumssammlungen vertreten, unter anderem im Museum of Modern Art in New York.